Luzern Lions drehten die totgeglaubte Partie in der Overtime!

Ort: Rapperswil | Endstand: 20:17 n.V. (00:07 | 00:03 | 07:07 | 10:00 | 03:00)

Was für ein Krimi am Samstagabend! Die Luzern Lions bewiesen gegen die Glarus Orks Charakter. Nachdem sie bereits wie der sichere Verlierer aussahen, drehten die Zentralschweizer das Spiel in der Verlängerung und feierten einen emotionalen 20:17-Sieg.

Die zahlreich mitgereisten Fans rieben sich verwundert die Augen: In der ersten Halbzeit waren die Lions komplett „neben den Schuhen”. Ihnen fehlte der Zugriff im Angriff und die sonst hochgelobte Defense der Leuchtenstädter wurde von den Glarus Orks eiskalt für ihre Fehler bestraft. Mit einem deprimierenden 0:10-Rückstand gegen den Aufsteiger ging es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel zeigten die Lions ein anderes Gesicht. Ein entschlossener Drive der Offense führte zum 7:10-Anschluss und brachte die Hoffnung zurück. Doch dann der Schock: Ein fataler Fehler in der Verteidigung schenkte den Orks viel Platz und ein offenes Feld. Eine riesige Chance, die diese eiskalt zur 17:07-Führung nutzten. In diesem Moment hätte wohl niemand mehr auf die Luzerner gesetzt.

Wer dachte, der Fehler in der Defense hätte den Lions das Genick gebrochen, sah sich getäuscht. Mit dem Rücken zur Wand mobilisierten die Lions im letzten Viertel alle Reserven. Durch eine umgestellte, variable Defense und eine siegesentschlossene Offense gelang es tatsächlich zu den Glarnern aufzuschliessen.

In der Verlängerung war die Spannung in Rapperswil greifbar. Zuerst war die Offense der Luzerner an der Reihe. Ihr Drive endete jedoch mit einer Interception. Im Anschluss konnte die Defense standhalten und Glarus musste einen Fieldgoal-Versuch wagen. Dieser war erfolgreich, doch da der 37- Jährige Arther Head Coach Marcel Meier kurz vor dem Snap ein Timeout nahm, musste der Versuch wiederholt werden. Bei der Wiederholung verfehlte der Ball das Fieldgoal deutlich. Dieser kluge Schachzug des Coaching-Staffs hielt die Luzerner im Spiel. Im Anschluss konnte die Offense 3 Punkte durch ein 37-Yards-Fieldgoal vom Kicker Silas Hagge zum 20:17 hinzufügen. Da nach den College-Regeln aus den USA gespielt wurde, war die Defense der Leuchtenstädter nochmals an der Reihe. Auch diesmal gelang der konsequente Stopp des Angriffs. Somit konnten die Glarner mit einem weiteren Fieldgoal ausgleichen. Der Head Coach Marcel Meier avancierte nun definitiv zum Matchwinner, indem er den Glarner Kicker mit einem Time-out erneut einfror. Auch dieser Versuch wäre erfolgreich gewesen. Die zusätzliche Bedenkzeit, die der Glarner Kicker durch das Time-out erhalten hatte, ließ den Druck steigen. Der erneute Fieldgoal-Versuch ging daneben, womit die Freude über den Sieg bei den Luzernern grenzenlos war.

Vom 0:10-Pausenstand über den Patzer zum 7:17 bis hin zum 20:17-Sieg bot dieses Spiel die gesamte emotionale Palette des American Footballs. Es war ein Sieg des Willens, der in der kommenden Trainingswoche sicher für reichlich Gesprächsstoff sorgen wird.

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